Aktion gegen die Migros

In einer symbolischen Aktion haben wir die Migros zur Zielscheibe gemacht. Damit rufen wir zu einem kämpferischen Frauen*streik 2019 auf und sagen: Kein Friede der Chefetage! Patriarchat und Kapitalismus überwinden!

Migros ist der grösste Detailhändler der Schweiz, erwirtschaftet rund 475Mio Gewinn (2018) und seine Belegschaft besteht zu über 60 Prozent aus Frauen. Der grösste Teil dieser Frauen* arbeitet in Positionen mit wenig Lohn und in Teilzeit. Für diese Teilzeitbeschäftigten stellt sich das Problem der Altersvorsorge, da mit einem niedrigen Pensum nicht in die Pensionskasse einbezahlt werden muss. Und an den problematischen Arbeitsbedingungen soll sich auch nichts ändern: Migros hat sich bereits mehrfach als sehr gewerkschaftsfeindlich gezeigt.

Mit seinem neuen Homelieferdienst Amigos versucht Migros seit neuestem noch Kapital aus der Prekarität zahlreicher Menschen zu schlagen und es als Stärkung der nachbarschaftlichen Beziehungen (also quasi als Care-Arbeit) zu bewerben. Dabei kauft eine Person, ohne Vertrag versteht sich, für andere Migros Kund*innen ein und erhält dafür pro Einkauf 7.90 Franken. Für jede weitere Tasche gibts dann nur noch 2.- “Lohn”. Wie eine Recherche der Work-Zeitung zeigt, machen diese Arbeit Menschen in prekärer Lebenssituation, welche eine kleine Aufbesserung des Einkommens brauchen.

In den Werbe-Spots der Migros wird zudem oft eine konservative Familienkultur gezeigt und damit gestützt. Beim letzten Frauenstreik 1991 erklärte die Migros auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA herablassend: «Frauenstreik? Doch, doch, das ist ein lustiges Thema.» Heute gibt sich die Migros moderner und erlaubt ihren Angestellten, in ihrer Freizeit am Streik teilzunehmen (so nett!). Sie ermahnt jedoch, dass ein Nichteinhalten des Arbeitsplans die üblichen Konsequenzen habe.

Wir verlangen natürlich nicht von den Migros-Chef*innen, dass sie den Streik “erlauben”. Ein Streik muss erkämpft werden. Wir haben es aber auf die schweizer Tradition “Sozial-Partnerschaft” abgesehen, die auch in den aktuellen Mobilisierung zum Frauen*streik zum Ausdruck kommt. Eine Partnerschaft zwischen den einen die Millionen einstreichen und den anderen, die für schlechte Löhne Überstunden schieben und Zuhause noch eine Familie zum betreuen haben?

Dieser falschen Harmonie setzen wir den Kampf für eine andere Welt entgegen. Die Migros ist dabei keineswegs ein besonders mieser Konzern. Sie ist schlicht ein Sinnbild für den patriarchalen, kapitalistischen Alltag. Diesen wollen wir aufbrechen und überwinden. Auch wenn es heute weit weg scheint: Eine Gesellschaft, die auf Solidariät aufbaut ist möglich!

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