Die Klitoris - eine Hommage an die weibliche Sexualität

Kampf für Feminismus heisst, auf gesellschaftlicher Ebene zu kämpfen. Ebenso bedeutet der feministische Kampf sexuelle Emanzipation.

Yessss – Feminismus, kritische Männlichkeit, free Tittiiies, sex positive women, Awareness, gendern in der Sprache, Frauen*streik – es ist alles endlich im Trend! Wir sind im Trend! Aber hat sich tatsächlich in den Handlungen was verändert? Oder sind es nur lose Hüllen? Du wirst immer noch klein gemacht, wenn du was ansprichst, was den Menschen grad nicht in den Kram passt. Oder vielleicht müsste die kritisierte Person mal sich selber reflektieren oder an sich arbeiten. Huiuiui. Das geht zu weit! Was soll mensch denn noch sagen dürfen. Kommt im Übrigen auch von Frauen*. Leider.

Anyway. In diese Richtung soll der heutige Text aber nicht gehen. Es soll um Liebe gehen. Körperliche Liebe. Und zwar für Frauen. Anfangs dieses Textes möchten wir konkretisieren, dass wir mit Frauen jene Frauen meinen, die eine Klitoris haben. Also jenes Sexualorgan, das kaum jemensch kennt und ja auch gekonnt in den Aufklärungsbüchern für Kinder und Jugendliche unterschlagen wird. Falls du jetzt nicht weisst, was eine Klitoris ist, gönn dir die Basics: Wikipedia Artikel über die Klitoris. Und dann lies hier bitte weiter.

Trigger-Warnung: Es geht um Sexualität und zwar nicht im eigentlichen Sinne. Pornös mit viel Gestöhn – ine use – wow so geil – nicht mehr drüber sprechen – einschlafen. Der Text kann verletzen, weil du dann vielleicht sexuelle Dinge willst, die du von anderen nicht oder noch nicht erhältst. Der Text kann Männer verärgern, die sich als Top Liebhaber sehen und das Gefühl haben, dass das unten stehende auf sie nicht zutrifft, weil sie sich nach dem Sex ja immer gut fühlen. Es soll eine Anregung zum Umdenken, Perspektivenwechsel, Ausprobieren und Nachschlagen sein. Vor allem sollen Menschen schöneren Sex haben, der allen Parteien mehr gibt! Und ja einige Lesenden könnten vielleicht Lust auf Sex kriegen.

Es verletzt mich enorm, zu hören, dass es so viele Frauen gibt, die nahezu nie einen Orgasmus haben oder noch nie in den Genuss eines solchen kamen. Viele Frauen müssen regelrecht darum betteln, wenn sie sich überhaupt trauen, diesen einzufordern. Edition F veröffentlichte eine Artikel mit dem Titel Mädchen halten Sex schon für gut, wenn sie dabei keine Schmerzen empfinden. Der Inhalt ist ebenso ernüchternd wie der Titel. In meiner subjektiven Bewertung von gutem Sex setze ich ganz woanders an.

Als ich dann anfing, mit ganz vielen Menschen jeglicher sexueller Vorlieben über Sex zu sprechen, wurde schnell klar: Dieser obengenannte Artikel bietet ein gutes Abbild der hetero-Sex-Gesellschaft. Die weibliche Lust ist und bleibt nach wie vor ziemlich unerforscht, mystisch und ist auch eigentlich ziemlich nebensächlich. Eine Frau in polygamer Beziehungen erzählt von ihrem tollen Liebhaber, mit dem sie jetzt grad etwas angefangen hat. Erzählt vom Sex, den sie so viel hätten. Ich bin begeistert. Sie erzählt ganz viel über Sex. Als mensch dann mal etwas tiefgründiger spricht, wird klar, so toll ist diese Affaire gar nicht. Da fehlt ganz viel Effort seinerseits. Sie hat mit ihm noch nie einen Orgasmus gehabt. Er legt sich dann schlafen, wenn er seinen Orgasmus hatte.

Aber warum werden sexuelle Liaisons oft so wunderbar dargestellt? Warum ist es so schwierig, sich selber einzugestehen, dass mensch gerade schlechten Sex hatte? Oder gar keinen Sex? Ist es, weil wir keinen Vergleichswert haben? Natürlich ist es schön, von einer anderen Person gewollt zu werden. Gibt Bestätigung. Aber der Sex für Frauen kann eigentlich ganz viel mehr, als nur ein gutes Gefühl hinterlassen.

Ein weiblicher Orgasmus hat leider verdammt viel mit Feminismus und Gleichberechtigung der Geschlechter zu tun. Und genau deshalb sind wir noch nirgends. Wie oft habe ich vom Männern schon gehört: Ich habe sie gefickt. Es war geil. Etc. Aber wann habt ihr schon voller Stolz einen Mann sagen hören: Ich habe Anna befriedigt und sie hat abgespritzt. Das war geil. Ja, Frauen können ejakulieren. Liebe Männer, sprecht mehr über solche Sachen. Gibt street credits.

Und jetzt mal konkret: Als junge Frauen erkunden wir unsere Geschlechtsorgane. Ich denke, es wird den meisten bewusst werden, wie sie sich selber befriedigen können. Was sich gut anfühlt. Meistens läuft das über das Berühren der Klitoris. Ja, Frauen befriedigen sich selber! Natürlich gibt es ganz viele Frauen, die sich selber nicht auskundschaften, weil sie so sozialisiert sind, dass sie dies als eklig oder sündhaft betrachten. Erzieht eure Kinder bitte nicht so!

Über die nächsten Jahre kommen dann andere Personen in unser Sexualleben. Einerseits erhalten wir Wissen im Sexualkundeunterricht. Es gibt Penis und Vagina. Wenn der Penis die Vagina penetriert, dann ist das Sex. Da kann mensch STI (sexually transmitted infections) – nicht die Thuner Verkehrsbetriebe - übertragen oder erhalten oder schwanger werden. Also schützt euch und verhütet. Fertig.

Die Sozialisation in einer sexistischen Gesellschaft mit schlechten Pornos und mangelnder Aufklärung macht, dass Frauen gar nicht mehr wissen, was ihre Geschlechtsorgane überhaupt brauchen und können. Wenige trauen sich, anzusprechen, dass der Sex für sie so nicht stimmt. Einzufordern, was mensch auf sexueller Ebene wirklich will, ist komischerweise extrem schwierig. Menschen haben Angst, die «heisse» Stimmung beim Sex zu zerstören, indem sie zu viel Reden. Oder dass sie ihre Sexualpartner*innen kränken, wenn sie konkrete Wünsche beim Sex äussern.

Vorherrschend ist nach wie vor die Vorstellung, dass zwei Menschen sich küssen, eng umschlungen, sich ausziehen. Die Kleider in der ganzen Wohnung verteilt liegen. Die beiden Menschen wissen dann, ohne zu sprechen (!), genau, was die andere Person will und was wann passieren soll. Oft fühlen sich Menschen im Nachhinein schlecht oder unwohl. Zudem werden im Nachhinein Vorwürfe laut, dass eine Situation übergriffig oder zu viel war. Wieso eigentlich nicht einfach fragen, ob der anderen Person die Handlungen gefallen? Oder konkret fragen, was die andere Person will oder was nicht? Das wäre dann consent sex.

Liebe Männer, sich nach dem eigenen Orgasmus umzukehren und einzupennen. Und die Frau nebenan liegen lassen. Unbefriedigt. Das ist nicht cool. Und wenn ihr’s nicht könnt. Also so die Frau befriedigen. Dann lernt es. Fragt die Frau, mit der ihr Sex habt. Oder fragt Freundinnen oder andere Männer. Oder das Internet. Es lohnt sich!

Liebe Frauen, fordert ein, was ihr euch von Sexualität wünscht. Probiert Sachen aus. Alleine oder mit einem Partner. Oder wärmstens zu empfehlen ist auch diese Seite: https://www.omgyes.com/de/. Die weibliche Sexualität wird wunderbar erläutert. Tipps, Videos und alle nötigen Infos. Empowerment at its finest. Leider nicht gratis. Gratis ist, mit euren Klitoris-bestückten Menschen in eurem Umfeld zu sprechen und voneinander zu lernen. Menschen sprechen viel zu wenig über Sex. Und zwar nicht die sensationsheischende Variante davon. Sondern die ehrliche. Mit allen verletzenden, sensiblen, verunsichernden und unbefriedigenden Facetten, die Sexualität mit sich bringt.

Nun zum Höhepunkt des Text: DIE KLITORIS. Sie ist wunderbar. Diese kleine Perle zwischen den Beinen einer Frau besitzt über 8’000 Nervenenden. Sie kann mit Fingern, der Zunge oder sonstigen Hilfsmitteln, was auch immer euch gefällt, vergnügt werden. Meistens wird diese wunderbare Stelle nicht beim vaginalen Penetrations-Sex stimuliert werden können (Überraschungsmoment), da die Klitoris zu weit oben ist. Das ist aber kein Problem. Hände helfen dabei ganz zu gut. Ine – use und dazu ein bisschen die Klitoris massieren. Oder sich einfach mal gegenseitig zu vergnügen oder es mal nur einer Seite zu besorgen, ist auch Sex und genauso gut. Wenn nicht sogar besser. Für die Frau jedenfalls.

Das Ziel dieses Textes ist jetzt, dass alle Lesenden wissen, was eine Klitoris ist und wissen, wie sie damit umgehen. Sei es bei sich selber. Oder wenn sie mit einem Menschen mit einer Klitoris sexuelle Begegnungen haben. Das ist der feminist fight. Erst wenn alle Geschlechter beim Sex gleich viel Befriedigung erhalten wie Männer mit Penissen, ist der restliche Kampf für eine egalitäre Welt überhaupt sinnvoll.

Also los leckt, rubbelt und streichelt um eure Leben!